Schmuckhornfrosch, Hornfrosch, Ceratophrys sp., Pacmanfrogs
M&L Pacman Frogs
Haltung & Zucht von Schmuckhornfröschen

Futterverweigerung

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"Ein Schmuckhornfrosch der nicht fressen will... sowas gibt es??"

JA, auch wenn Hornfrösche im Allgemeinen recht einfach realisierbare Ansprüche an den Halter stellen und in Foren und diverser Literatur immer wieder gerne das Wort "Anfängerfrosch" Verwendung findet, gibt es doch nicht selten Halter deren Frosch trotz diverser Tricks und Kniffe nicht fressen will. Sicher kann man Pech haben und man hat ein kleines "Sensibelchen" (die gemeine Form wäre hier wohl Kümmerling, es gibt immer mal wieder Frösche die einfach schlecht fressen, wachsen und irgendwann ohne Vorwarnung oder erkennbaren Grund eingehen) erworben doch kann eine Futterverweigerung die unterschiedlichsten Gründe haben, welche es zu erörtern gilt.



1. Temperatur

Der erste Ansatzpunkt um herauszufinden warum ein Frosch nicht frisst, ist die Temperatur.
Nicht selten werden gerade junge Hornfrösche (nachts) zu kalt gehalten weshalb ihr Stoffwechsel nicht richtig rund läuft und sie somit keine Nahrung aufnehmen können da sie die Beute nicht verdauen könnten. Die Temperatur sollte im Gegensatz zu vielen anderen Terrarientieren nicht in der Luft selbst sondern im Bodengrund, in welchem der Schmuckhornfrosch nun mal lebt, gemessen werden und tagsüber bei 26-28°C liegen und dann nachts auf etwa 21-23°C absinken. Gerade nachts wird es oft jedoch bedeutend kühler weshalb man eventuell auch in der Nacht etwas Wärme zu heizen muss. Dies geschieht z.B. über Infrarotstrahler oder Heizkabel/-matten welche jedoch KEINESFALLS (!!) unter dem Terrarium verlaufen dürfen sondern über dem Bodengrund von außen an Rück- und/oder Seitenwände angebracht werden müssen. Grund ist das Frösche sich eingraben um sich abzukühlen, hat man nun das Heizkabel unter dem Terrarium verlegt wird das Tier es nicht verstehen, sich bis auf den (immer heißer werdenden) Boden eingraben und unter Umständen dort sogar "gegrillt" werden sofern man es nicht doch rechtzeitig bemerkt! Als wahre Lebensversicherung für Frösche unverzichtbar ist der Einsatz eines Thermostat, welches bei erreichter Grundwärme das Heizelement abschaltet bis es wieder gebraucht wird. Lange Rede, wichtiger Sinn:

Als erstes die Temperatur im Bodengrund des nichtfressenden Schmuckhornfrosches prüfen!



2. Luftfeuchtigkeit

Nicht unwichtiger als korrekte Temperaturen im Froschterrarium ist die korrekte Luftfeuchtigkeit.
Diese sollte je nach Art recht hoch sein im Mittel etwa 80-90% betragen, was durch regelmäßiges besprühen des Terrariums in Verbindung mit einem gut Flüssigkeit aufnehmendem Bodengrund (Kokoshumus *** KLICK *** ) erreicht wird. Bei langfristigem Unterschreiten dieser Werte wird der Hornfrosch sich in Trockenruhe begeben, da seine Natur es ihm befiehlt - es ist der natürliche Instinkt um nicht auszutrocknen und sein Überleben in Trockenzeiten somit zu sichern, weshalb er die Nahrungsaufnahme komplett einstellen würde.



Sollten die Werte also unterschritten werden, muss mehr gesprüht werden und/oder ggf. auf einen saugfähigeren Bodengrund gewechselt werden um den Frosch langsam wieder "aufzuweichen"!


3. Beleuchtung

In freier Wildbahn haben die Tiere einen Tag-Nachtrhythmus von etwa 14 -> 10 Stunden (Tag -> Nacht).
Am einfachsten gelingt hier ein gleichmäßiger Rhythmus indem man die Beleuchtung mittels Zeitschaltuhr regelt und so das Tageslicht auf etwa 14 Stunden einpegelt.

Sofern dies der Grund ist wird man den Frosch nach Anpassung des Tageslichts schon bald durch gesteigerte Aktivität bemerken und der Appetit sollte zurückgekehrt sein!



4. (Transport-)Stress

Frisch erworbenen Schmuckhornfröschen sollte man nach dem Einsetzen ins Terrarium zunächst einmal komplette Ruhe gönnen und sich eingewöhnen lassen.
Ein zu früher Versuch zu füttern schadet mehr als es nützen würde wenn das Tier direkt Nahrung annimmt. Daher Neuzugänge unbedingt erst mal 3-5 Tage nicht stören und lediglich für die passenden Haltungsparameter sorgen. Die Erfahrung hat gezeigt dass nach dieser Zeitspanne die meisten Frösche auch problemlos an die angebotenen Futtertiere gehen, während Tiere denen man von Anfang an im schlimmsten Fall (mehrmals) täglich Futtertiere vor die Nase hält noch bevor der Frosch sich überhaupt heimisch und sicher in seinem neuen Zuhause fühlt, nicht selten regelrechte Scheue an den Tag legen wann immer eine Zange mit Beute sich nähert oder das Becken nur geöffnet wird. Ebenso verhält es sich wenn das Terrarium an einem sehr lebhaften Ort steht und/oder sich z.B. Katzen o.ä. (in freier Wildbahn schließlich pure Fressfeinde...) in Sichtweite des Terrariums befinden oder gar davor/darauf herumlaufen.

Vielmehr muss sichergestellt sein dass die Tiere nicht durch ihre Umgebung, Haustiere, spielende Kinder, etc gestört und langfristig gestresst werden können in dem wir von Anfang an einen geeigneten Standort wählen um Stress in jeglicher Form auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.



5. Sichtschutz & Terrarienstruktur

Womit wir beim Punkt der Terrarienstruktur sowie dem Sichtschutz angelangt sind.
Zunächst sollten die Seiten sowie die Rückwand des Behälters abgeklebt werden so dass der Frosch sich zurückziehen kann und nicht "auf dem Präsentierteller" wie im Schaufenster eines Kaufhauses jederzeit von allen Richtungen Gefahr befürchten braucht. Hier hat sich zum einen einfaches Styropor bewährt welches von außen an die Scheiben gestellt oder geklebt wird. Das Styropor hat den zusätzlichen positiven Nebeneffekt das Terrarium gegen Wärmeverlust abzudämmen, was sich nicht zuletzt auch durch finanzielle Einsparungen bei der Stromrechnung dankend bemerkbar macht. Zum anderen haben sich Kork- oder Kokosmatten welche man (auf Grund schönerer Optik eventuell sogar zusätzlich zum Styropor außen) von innen mittels pestizidfreiem Silikon anbringt, bewährt. durch das abkleben der Seiten und der Rückwand haben wir schon mal optimal vorgesorgt dem Schmuckhornfrosch Stress durch fehlenden Sichtschutz zu ersparen. Ebenso eingebrachte (Kunst-)Pflanzen eignen sich hervorragend weitere Verstecke und somit weiteren das Sicherheitsgefühl erhöhenden Sichtschutz für den Frosch zu erschaffen. Ein weiterer Punkt ist der Bodengrund, dieser wird beim Einrichten nach hinten zur Rückwand ansteigend eingefüllt um gerade im hinteren, sicheren Bereich die Möglichkeit zu bieten dass der Hornfrosch sich komplett (!!) eingraben kann um bspw. in aller Ruhe zu verdauen.

Es gibt also wie man sieht diverse Möglichkeiten den Tieren das Leben angenehmer und stressfreier zu gestalten und etwaige Futterverweigerung somit gar nicht erst aufkeimen zu lassen.



6. Vitamin- und/oder Mineralstoffmangel


Ein Frosch welcher plötzlich scheinbar grundlos das Fressen einstellt obwohl sonst nichts im oder am Terrarium und den Haltungsparametern verändert wurde könnte unter Umständen trotz der bisher zugeführten Nahrung schlicht abschwächen. Dies liegt meist an der Tatsache dass er in freier Natur ein derart breites Nahrungsspektrum vorfindet was wir in Gefangenschaft nur selten bieten können. Darum ist es unumgänglich die Futtertiere von Anfang an zu supplementieren. Schmuckhornfrösche haben einen erhöhten Calcium und Vitamin D3 Bedarf was für uns als Halter bedeutet die Futtertiere mit entsprechenden Mitteln zu bestäuben und dadurch aufzuwerten um ein gesundes Wachstum zu gewährleisten. Bewährt hat sich folgendes Wechselschema der Nahrungssupplementierung für Schmuckhornfrösche:

Einen Tag bestäuben wir die Futtertiere mit einem Vitamin-Mineralkomplex (Z.B. Herpetal Amphib (*** KLICK ***) ) - bei der nächsten Fütterung mit einem Calciumpuder, wie z.B. fein geriebener Sepiaschale, welche den Vorteil hat nicht überdosiert werden zu können da etwaiger Überschuss einfach mit dem Kot ausgeschieden wird - und wiederrum eine Fütterung später bekommen die Frösche die Futtertiere "Natur" also ohne ein Supplement oder dergleichen. Dieses Schema wendet man nun einfach immer im Wechsel an und ist damit in aller Regel auf der sicheren Seite seine Frösche gesund zu ernähren und für ein gutes Wachstum gerade auch des stark Calcium bedürftigen wachsenden Froschskelettes zu sorgen.




7. Schlechte Erfahrung mit "Beute X"

Hornfrösche die schlechte Erfahrungen mit einer bestimmten wehrhaften Beute, z.B. (entgegen aller Fütterungsratschläge...) mit einer lebenden, im Todeskampf wild um sich beißenden Maus, gemacht haben verbinden diese Futtertiere verständlicherweise zukünftig mit Gefahr und sehen sie nicht mehr als fressbare Beute an.

In diesem Fall hilft nur das Variieren und Ausprobieren der diversen verfügbaren Futtertiere sowie das Füttern zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten um den "Geschmack" des einzelnen Frosches kennen zu lernen um sich darauf einstellen zu können.


8. Krankheiten, Würmer, Milben, etc.

Alle bis hier aufgeführten Punkte sollten gründlich geprüft werden denn sollte keiner dieser Punkte zum Ziel führen, ist es an der Zeit das "worst-case-szenario" zu bedenken und zu prüfen: Ist der Hornfrosch denn überhaupt gesund?
Eine äußerliche Wunde z.B. wäre schnell erkannt und lässt sich meist recht gut in den Griff bekommen, auch eine toxische Vergiftung auf Grund des verschmutzten Bodengrundes kann man recht gut am Verhalten und der geröteten Haut erkennen (näheres siehe "Krankheiten" (*** KLICK ***))). Die Gliedmaßen kann man selbst durch ansehen und abtasten prüfen ob dort z.B. eine Fraktur o.ä. vorliegt und zu guter Letzt das Tier und das Bodensubstrat auf eventuellen Milbenbefall prüfen. Die äußerlichen "Miesmacher" sind also eigentlich recht gut auszumachen doch wie sieht es im Inneren aus? Würmer, Amöben, Kryptosporidien, Chytrid-Hautpilz (*** KLICK ***), ... um nur eine Auswahl möglicher Parasiten und ungewollter Spielverderber zu nennen, sind etwas was wohl niemand in seinem Bestand haben möchte. Gerade deshalb ist es absolut wichtig und unumgänglich eine perfekt durchdachte Quarantäne mit jedem Neuzugang vorzunehmen, ihm vorsorglich eine 10 tägige Chytridkur mittels täglicher medizinischer Bäder zu gönnen und eine Kotprobe zum Tierarzt oder einem der diversen Online-Institute zu bringen um diesen auf alles mögliche was so im Magen-Darmtrakt sein Unwesen treibt untersuchen zu lassen und ggf. medikamentös gegenzuwirken, bevor das neu erworbene Tier dann hoffentlich kerngesund in den sorgsam aufgebauten Altbestand integriert wird. Während einer Quarantäne niemals das selbe Werkzeug (Zange, Pinzette, etc.) wie beim Altbestand verwenden da man sich so die gesamte Quarantäne sparen könnte und Krankheiten einen leichten Weg der Übertragung gefunden hätten. Die Kotprobe selbst entnehmen wir morgens möglichst frisch, füllen sie z.B. in eine leere Filmdose mit ganz wenig Wasser und dann ab die Post an Dr. Mutschman (Exomed.de). Natürlich kann man sich auch entsprechende Kotprobensets (*** KLICK ***) im Handel kaufen sofern man denn unbedingt Geld ausgeben mag, jedoch halten wir das für unnötig und nutzen daher einfach weiter Filmdosen.

Übrigens: Es ist gibt keine Garantie für ein parasitenfreies Tier nur weil es sich z.B. um eine Nachzucht handelt - nicht alle Züchter unternehmen solch einen Aufwand um sich einen gesunden Bestand aufzubauen... gerade die etwas größeren Züchter gehen oft nach dem Motto Quantität statt Qualität an die Sache ran und kalkulieren eventuelle Todesfälle von Anfang an ein indem sie immer mehrere Tiere einer Variante groß ziehen bzw besitzen um so bei einem plötzlichen Ausfall eines einzelnen Exemplares bspw. auf Grund plötzlicher Immunschwäche und dem daraus resultierenden Ausbrechen einer Krankheit, noch genug "Muniton im Schrank" zu haben um Einzelschicksale komprimieren zu können... in unseren Augen ein Spiel mit dem Feuer und dem Risiko seinen gesamten Bestand eines Tages zu durchseuchen...

Kotproben sind also absolut kein rausgeworfenes Geld, gerade bei einem größeren Bestand eher Grundvoraussetzung diesen auch langfristig halten zu können.

Näheres zum Thema finden Sie unter dem Menüpunkt Kotproben! (*** KLICK ***)


Zwangsfütterung??
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Hier direkt unsere persönliche Auffassung zu einer Zwangsfütterung:
Es ist verständlich einerseits den lieb gewonnenen Frosch sofern dieser das Fressen z.B. eingestellt hat mit aller Gewalt am Leben halten zu wollen, sei es aus Mitleid oder auf Grund der Tatsache doch einmal bares Geld für das Tier bezahlt zu haben... dennoch vertreten wir den Standpunkt dass man eben nicht jeden Kümmerer auf Teufel komm raus durchbringen sollte. Gerade bei Fröschen hat die Natur nun mal vorgesehen, dass ein riesiger Anteil der Kaulquappen und Jungfrösche schlicht als Nahrung für andere Tiere auf die Welt kommt und es somit immer schwächere, langsamere oder anfälligere Exemplare geben wird. Wie sagt man so schön? Nur die Harten kommen in den Garten - und die Weichen werden nunmal die Segel streichen Mit anderen Worten: Würde man alle Tiere "mit Gewalt" groß ziehen und ggf. dann später sogar damit wiederrum züchten bestünde die Gefahr einen Genpool zu kreieren der aus schwachen, von Mutter Natur eigentlich als Nahrung gedachten Fröschen besteht und die Starken, Agilen dabei auf der Strecke bleiben würden was langfristig zu einer enormen Anzahl an schwachen, kaum allein lebensfähigen Schmuckhornfröschen führen würde, an denen sicher niemand mehr seine Freude hätte. In einigen Teilbereichen der Terraristik, z.B. bei den Kornnattern und Leopardgeckos, kann man dieses Phänomen bereits gut erkennen, was ein degenerierter Genpool in Verbindung mit krampfhaft aufgezogenen Kümmerern sowie die spätere Weiterzucht mit eben diesen, mit der Terrarienpopulation anstellen kann... Nichtfresser, Zwergwuchs, Behinderungen und Missbildungen sind hier leider oft an der Tagesordnung
Darum halten wir es so: Frisst ein Tier nicht werden alle oben aufgeführten Punkte genaustens geprüft und ggf. Maßnahmen eingeleitet. Führt auch dies nicht zum Erfolg so lassen wir der Natur ihren Lauf... selbstverständlich bieten wir auch den Kümmerlingen immer und immer wieder etwas Fressbares an doch zwingen wir so ein Tier nicht zur Nahrungsaufnahme in dem wir es stopfen oder gegen seinen Würgereiz mit Gewalt ein Futtertier in den Magen drücken... lediglich der Versuch durch leichtes reiben am Unterkiefer mit dem Futtertier gehört noch zu den komplett vertretbaren Varianten ein Tier zum Fressen überreden zu wollen da so oftmals erst der Beißreflex ausgelöst wird und das Tier dann freiwilig und ohne unser zutun frisst.

Hinzu kommt noch die Tatsache dass selbst eine Zwangsernährung noch lange kein Garant auf ein langes Leben des Frosches darstellt. Gerade durch dieses erheblich gesteigerte Maß an Streß kann es nämlich passieren das ein am Abend noch lebender und frisch gestopfter Frosch am darauffolgenden Morgen "alle Viere von sich gestreckt" tot im Becken liegt... kaum verwunderlich bedenke man welch kleines Herz in ihnen schlägt und was sie wohl durchmachen während der Mensch aus gutgemeinter Überzeugung Nahrung mit sanfter Gewalt in den zarten Körper "pumpt"... eine falsch durchgeführte oder zum falschen Zeitpunkt angesetzte Zwangsernährung ist also eher kontraproduktiv und birgt einige Risiken wogegen sie kaum bis keine Vorteile bietet einen Frosch ein Leben lang künstlich zu ernähren!

Sollten Sie trotz allem ihren Hornfrosch künstlich stopfen wollen so gehen Sie bitte äußerst respektvoll, sorgsam und vorsichtig mit dem Tier um ohne es zu quälen oder gar durch zu große gestopfte Nahrung zu verletzen! Anbei 2 kurze Videos welche die Zwangsfütterung relativ human und noch in gewissem Maße vertretbar (mal abgesehen davon das in Video 1 Mäuse verfüttert werden und man statt des Butterbrotmessers lieber einen weichen Holzspatel (z.B. Eisstiel) verwenden sollte...) darstellen und erklären:












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